Omniwar – Der Krieg zur Umsetzung einer Technokratie

Die Hollerith Maschine (frühe Tabelliermaschine von 1890) von IBM wurde den Nazis zur Verfügung gestellt, um alle KZ-Häftlinge mit Nummer zu erfassen, welche auf den Arm der KZ-Häftlinge tätowiert wurde.             © Adam Schuster
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Der erste Teil dieses Beitrags (Die Krähe Nr. 14) skizzierte die Anhaltspunkte dafür, dass eine psychopathische Elite nichts Geringeres als einen Krieg gegen die Menschheit führt. Im zweiten Teil beleuchten wir das Ziel dieses Krieges: die Errichtung einer globalen Technokratie. 

Von Corinna Oesch

Unter Technokratie wird ein System verstanden, in dem anstelle gewählter Politiker Sachverständige die Entscheidungen treffen, also Ideologie durch Expertise ersetzt wird. Andere ahnen, dass unter dem Deckmantel von kühler Rationalität einer technologischen Elite die Kontrolle über vormals demokratische Entscheidungsprozesse überlassen wird – zu ihrem eigenen Nutzen.

Die historischen Wurzeln der Technokratie liegen in der nordamerikanischen Technokratie-Bewegung der 1930er Jahre. Daraus gingen mehrere Organisationen hervor, etwa die 1933 gegründete „Technocracy Inc.“. In ihrer    Hochphase zählte sie laut dem Technokratie-Experten Patrick M. Wood mehrere hunderttausend eingeschriebene Mitglieder. Die Definition des Begriffes Technokratie aus den 1930er Jahren lautet im englischen Original: „Technocracy is the science of social engineering, the scientific operation of the entire social mechanism to produce and distribute goods and services to the entire population […]. For the first time in history it will be done as a scientific, technical, engineering problem.“ („Technokratie ist die Wissenschaft der angewandten Sozialtechnik, also die wissenschaftliche Steuerung sozialer Mechanismen zur Produktion und Verteilung von Gütern und Dienstleistungen […] Zum ersten Mal in der Geschichte werden diese Mechanismen als wissenschaftliches, technisches und technologisches Problem betrachtet.“)

Die Definition der Technokratie als Wissenschaft der Sozialtechnik ist grundlegend, um zu verstehen, was die Proponenten damals wie heute umtreibt. Ihre Vision ist die Errichtung eines zentralisierten Herrschaftssystems durch weder gewählte noch abwählbare „Experten“ und eines zentral verwalteten Wirtschaftssystems. Letzteres soll den Kapitalismus (nach dem Verständnis der 1930er Jahre) ersetzen, indem das „Preissystem“ abgeschafft und durch ein energiebasiertes Wertsystem ersetzt wird. Grundlage einer Technokratie ist die Erfassung von allem und jedem. 

Technokratie und Nationalsozialismus

Die Ideen der nordamerikanischen Technokratie-Bewegung wurden auch jenseits von Nordamerika schon vor dem Zweiten Weltkrieg rezipiert, am stärksten jedoch im nationalsozialistischen Deutschland. Dort erschien zwischen 1933 und 1936 eine Zeitschrift mit dem Titel „Technokratie“, deren Beiträge überwiegend auf Artikeln nordamerikanischer technokratischer Zeitschriften beruhten. Technokratie sollte den Bürgern jedoch als etwas schmackhaft gemacht werden, was in Deutschland selbst seinen Ursprung hatte. Daher wurde zwar eine Selbstorganisierung von Technokraten in Deutschland unterbunden, jedoch Ideen wie die von der besonderen Rolle des Ingenieurs in der Gesellschaft und die einer zentralen Planung für gesellschaftliche und wirtschaftliche Belange übernommen und in Form einer völkischen Technokratie umgesetzt. Technokratie und Eugenik fanden in der NS-Bevölkerungspolitik ihren Ausdruck, und zwar in all ihren Facetten: Die „restlose Erfassung“ der Bevölkerung, Gesundheitspass, Ariernachweis, Massendeportation, Vernichtung „unwerten“ Lebens, aber auch Lebensborn, Kriegswirtschaft und Zwangsarbeit waren nichts anderes als angewandte Sozialtechnik und entsprachen der Definition von Technokratie als „science of social engineering“. In der zeitgeschichtlichen Forschung sind zwar die bevölkerungspolitischen Bestrebungen der Nationalsozialisten gut erforscht, aber kaum jemand hat sich mit der technokratischen Bewegung in den USA und NS-Deutschland auseinandergesetzt. Fast gänzlich verabsäumt wurde es, eine Beziehung zwischen den technokratischen Ideen der 1930er Jahre und der NS-Bevölkerungspolitik herzustellen. Neuerdings gibt es zwar eine Auseinandersetzung mit Social Engineering im Nationalsozialismus, doch sie beschränkt sich weitgehend darauf, die NS-Volksgemeinschaft als eine Gesellschaftsutopie und eine Handlungsanweisung zu ihrer Umsetzung zu betrachten. Bislang fehlte eine Analyse der    Geschichte des Nationalsozialismus vor dem Hintergrund des technokratischen Faschismus nordamerikanischer Prägung.

Technokratie und Transhumanismus

Nach 1945 gab es keinen Bruch mit eugenischem und technokratischem Denken. So ist etwas das Gründungsdokument der UNESCO von 1946 von eugenischen Ideen geprägt. Mit der „Operation Paperclip“ holte die US-Regierung führende Köpfe der deutschen Technologie und des völkisch-technokratischen Denkens ins Land und integrierte sie in den eigenen militärisch-industriellen Komplex. Beispiele für ein Fortleben der Technokratie in den USA sind belegte Experimente mit Radioaktivität sowie biologischen und chemischen Waffen an mittellosen Bürgern, Kindern, Afroamerikanern und Soldaten – durchgeführt ohne deren Wissen oder Zustimmung. 1951 führte der Vorsitzende der Britischen eugenischen Gesellschaft, der Biologe Julian Huxley, den Begriff „Transhumanismus“ ein, um die Eugenik umzuetikettieren. Die heutige Erscheinungsform der Technokratie als biodigitaler Totalitarismus ist eng mit dem Transhumanismus verknüpft. Er wird in einer verheißungsvollen Sprache beworben, vom „augmentierten“ Menschen ist die Rede oder gar von der Möglichkeit des ewigen Lebens. Tatsächlich handelt es sich dabei aber um nichts anderes als eine Militäroperation – und zwar eine Form der kognitiven Kriegsführung, mit der unser Denken und Fühlen durch technologische Eingriffe manipulierbar und letztlich steuerbar gemacht werden soll. 

Eine von Propaganda bereinigte Definition des Transhumanismus haben Lissa Johnson, Daniel Broudy und David A. Hughes 2024 formuliert: „A project to engineer human biology by technological means on a mass scale“ („Ein Projekt zur Manipulation der menschlichen Biologie mit technologischen Mitteln im großen Maßstab“). Bezweckt die Technokratie als „science of social engineering“ die Steuerbarkeit der Gesellschaft, so zielt der Transhumanismus als „Bioengineering“ auf die Steuerbarkeit des Menschen. Die Technologien des Transhumanismus beruhen auf Forschungen im Bereich des Militärs zu Mensch-Maschine-Mischwesen, implantierbarer Elektronik, Nanorobotern, Smart Dust, zu einer Technologie, die Menschen als „Knoten“ in Netzwerke einzubinden vermag, und zu Cyborg-Gesellschaften. 

Die Architekten dieser Forschung setzen voraus, dass Bürger hinsichtlich dieser Technologien unwissend bleiben, sodass es gegenwärtig keine Rechenschaftspflicht gegenüber der Bevölkerung und keine Kontrolle durch die Öffentlichkeit gibt. Da es sich dabei um Dual-Use-Technologie – für den militärischen und zivilen Einsatz – handelt, geben Veröffentlichungen im Bereich von Medizin und Lifestyle gewisse Einblicke in den Stand der Forschung. Ein Beispiel dazu: Abbildung 1 auf der linke Seite zeigt die Anwendung künstlicher Zellen für ein Netzwerk aus Bio-Nano-Dingen. 

Kommuniziert wird in Akyildiz’ Beitrag, dass sich „NanoThings“ vorzüglich für den Einsatz im Bereich des Militärs, im Gesundheitswesen und im Sicherheitswesen eignen würden, da sie aufgrund ihrer geringen Größe leicht versteckt, implantiert und in der Umwelt verteilt werden können (Akyildiz et al., 2015, S. 32). 

Das bedeutet: Nicht nur handelt es sich bei Omniwar um einen nicht deklarierten, im Verborgenen geführten Krieg gegen die Menschheit, auch die dafür benötigten Technologien des Transhumanismus bleiben von vielen unerkannt. Erkenntnis/Information ist daher der erste Schritt zur Selbstverteidigung. 

Dieser Artikel ist in der Monatszeitung Die Krähe erstmals erschienen.

Quellen: 
Patrick M. Wood: Technocracy Rising. The Trojan Horse of Global Transformation, Mesa (Arizona), 2015.

Technocracy:
https://tinyurl.com/258fs74j

die Erfassung:
https://tinyurl.com/2tmdj2zt

Die ‚restlose Erfassung‘: Aly, Götz & Roth, Karl Heinz (1984/2000).

Die restlose Erfassung. Volkszählen, Identifizieren, Aussondern im Nationalsozialismus. Berlin: Fischer Verlag.

NS-Volksgemeinschaft: Steber, Martina & Otto, Bernhard (2014).

Volksgemeinschaft im NS-Regime: Wandlungen, Wirkungen und Aneignungen eines Zukunftsversprechens. Vierteljahreshefte für Zeitgeschichte, 62(3), 433–445.

UNESCO: Huxley, Julian (1946). 

UNESCO. Its Purpose and its

Philosophy. London: The Frederick Printing Co.

Transhumanismus: Huxley, Julian (1957). New Bottles for New Wine. London: Chatto & Windus.

Definition des Transhumanismus: https://tinyurl.com/mpj56htr

Bio-Nano-Dingen: 
Akyildiz, Ian, Pierobon, Max, 

Balasubramaniam, Sasi et al. (2015). The Internet of Bio-Nano Things. 

IEEE Communications Magazine, 

53(3), 32–40.

Johnson et al.:
https://tinyurl.com/4vwxn2p2